Wir überwintern in Portugal an der Algarve

Der Winter an der Algarve in Portugal ist angenehm. Bisher können wir uns über das Wetter nicht beklagen.

Sonnenaufgang im Winter an der Algarve in Portugal

Inzwischen ist es fast Dezember und der 1. Advent steht vor der Tür. Es ist nicht einmal 1 Jahr her, als wir unsere Reise zum Nordkap über Weihnachten angetreten haben, nun überwintern wir in Portugal. Was auch immer wir uns ursprünglich dabei gedacht haben, es ist anders als erwartet. Dabei gibt es nicht einmal eine Definition ob es nun besser oder schlechter ist, es ist einfach anders und genau das was wir nie gesucht aber zum Glück gefunden haben. Und das Wichtigste, über das Wetter können wir nicht klagen.

Wie sicherlich Viele, die sich mit dem Thema Vanlife auseinander setzen, tauchen zuerst romantische Bilder von Stränden und Bergen, Seen und Wäldern auf. Immer im Vordergrund ein Van und meist seine Besitzer oder deren Füße, die mit geöffnetem Kofferraumdeckel zum Meer zeigen. Es gab auf unserer bisherigen Reise sehr viele Möglichkeiten diese Bilder entstehen zu lassen, aber das authentische Vollzeitvanlife sieht anders aus.

Überwintern in Portugal mit einem Gefühl von Sicherheit

Wir sind Deutsche. Und bei allen Nationen, die wir bisher getroffen haben war kaum ein Menschenschlag vertreten, der so extrem an Gesetz, Recht und Ordnung glaubt. Als Deutsche sind wir durchunddurch auf Sicherheit getrimmt. Das bezieht sich nicht nur auf den Deutschen der auf einem Stellplatz als selbsternannter Platzwart Neuankömmlings ermahnt in Reih‘ und Glied zu parken. Es bezieht sich auf unsere allgemeine Haltung gegenüber dem Risiko.

Als Deutsche ist uns das Risiko eigentlich zu riskant. Wir gehen lieber den Weg der Sicherheit und vertrauen auf das was wir kennen. Bei uns war es nicht anders. Wir waren fünf Wochen unterwegs um festzustellen, dass wir kaum einen Moment wirklich genießen konnten. Zuerst waren wir auf der Suche nach einem Ziel, dann auf der Suche nach dem Sinn und schließlich wussten wir nicht einmal mehr was wir suchen. Alles vor dem Hintergrund, dass wir im Anschluss an unsere fünfwöchige Auszeit einen geeigneten Platz brauchten von wo wir arbeiten konnten.

Es gab und gibt noch heute so viele Dinge, die wir aus dem Wunsch nach Sicherheit nicht tun oder Momente die wir genau aus diesem Grund nicht genießen. Im Moment beschäftigt uns so viel, was eigentlich noch weit in der Zukunft liegt. Wir halten fest an der Sicherheit aber immerhin können wir uns über das Wetter nicht beklagen.

Die Realität des Überwinterns in Portugal

Zurück zu den perfekten Illustrationen eines kleinen Bullis, der mit zwei erwachsenen Menschen und einem langhaarigen Hund am Meer steht. Ich bin oftmals zutiefst beeindruckt wie easy, unbeschwert und einfach Vanlife ist. Vielleicht machen wir was falsch, aber ich kann garantieren, dass selbst mit zwei erwachsenen Menschen und einem Hund in einem wesentlich größeren Van immer das Chaos herrscht. Wenn man auf sandigem Untergrund parkt und dies mit Regen kombiniert, dann erübrigt sich eine Darstellung dessen was passiert, wenn unser Hund, Muk, ins Auto springt. Auch frage ich mich bei diesen Bildern ob wir die einzigen Menschen sind, die an wunderschönen Plätzen von Fliegen und Mücken in den Wahnsinn getrieben werden.

Ungeachtet dieser Diskrepanz zwischen entstandenem Bild und der Realität die manchmal auch ihre Ecken und Kanten hat, würde ich die Entscheidung Vollzeitvanlife immer wieder treffen. Es ist wie es ist, unperfekt und dennoch ein unglaubliches Abenteuer. Das wohl größte Abenteuer was wir in unserem kurzen Leben haben werden. Während wir uns also auf der einen Seite über den tatsächlichen Wert dieses unperfekten Vanlifeabenteuers bewusst sind, hadern wir auf der anderen Seite mit unserem Bedürfnis nach Sicherheit und können uns dabei zumindest über das Wetter nicht beklagen.

Der Winter in Portugal im Hier und Jetzt

Während wir uns also über das Wetter nicht beschweren können, hadern wir mit anderen Dingen. Dem wohl Schwierigsten, was man als als Deutscher (und villeicht geht es auch anderen Nationen außer den Rentnern so) auferlegt bekommen kann: DEM LEBEN IM HIER UND JETZT.

In fast 36 Jahren auf dieser Welt wurden mir schon viele Höhen und Tiefen, Aufgaben und Herausforderungen geboten. Niemals stand ich jedoch vor solch einer scheinbar unlösbaren Problematik. Das Hier und Jetzt zu genießen und zu leben liegt weder in meiner Natur noch in meiner Erziehung. Das Hier und Jetzt diente bisher nur zur Planung zukünftiger Dinge. „Denk an die Rente“, „Was willst Du tun wenn…“, „Was soll mal aus Dir werden?!“.

Das Hier und Jetzt existiert in meiner Kultur und in meinem Denken nur als Platzhalter für die mögliche Überlegung zukünftiger Ereignisse. Hier beim überwintern in Portugal, während ich mich manchmal über das Wetter beschwere und die Fliegen und Mücken meine perfekten Vanlifebilder durcheinander bringen wird es mir bewusst, das Hier und Jetzt ist alles was von Bedeutung ist.

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