Wir sind dann mal weg. Kein Urlaub sondern Vollzeitvanlife.

Wie wir in einen Van gezogen sind und nun auf unbegrenzte Zeit darin leben. Vollzeitvanlife, wir haben es gewagt.

Mann mit Mütze steht an Tisch und schneidet Lebensmittel in einem selbst ausgebauten Van mit Fliegengitter

Was für den einen wie ein absoluter Lebenstraum klingt, ist für andere eine Horrorvorstellung. Vollzeit in einem Van wohnen und dabei das gesamte Leben auf diesem winzigen Raum organisieren. Genau genommen sogar das Leben zweier Erwachsener und eines kleinen Hundes.

Die Idee zu alle dem entstand spontan. Wie das mit Hirngespinsten ebenso ist. Sie ergeben nur dann Sinn, wenn sie aus einem Impuls heraus in Angriff genommen werden. Man muss sie ohne großes Überlegen in die Tat umsetzen.Und genau so ergab es sich, dass wir uns kurz nach der Nordkap-Reise überlegten, zusammen zu ziehen.

Nach der Reise ist vor der Reise

Wenn Du einmal zwei Wochen bei eisigen Temperaturen zu zweit in einem kleinen Van durch Nordeuropa gereist bist, dann weißt Du ob es mit Deinem Partner auch für längere Zeit auf kleinstem Raum harmoniert. Unsere Reise ans Nordkap hatte uns gezeigt, dass wir ganz gut unter eher ungünstigen Bedingungen miteinander auskamen. Allerdings wollten wir ursprünglich eine gemeinsame Wohnung finden.

Wir machten uns also dran die unzähligen Inserate auf dem Vermietungsmarkt zu studieren. Es verging in über 4 Wochen kaum ein Tag, an dem wir nicht im Umkreis unserer beider Arbeitsplätze Wohnungsanzeigen studierten und verschiedene Vermieter für eine Besichtigung kontaktierten. Wir suchten eine Wohnung in gehobener Preisklasse für zwei Personen.

Was soll ich sagen? Ganz gleich was wir uns anschauten, nichts entsprach wirklich unserer Vorstellung. Wir mussten an allen Ecken Abstriche bei der Lage, der Umgebung oder der Aufteilung der Wohnung selbst machen. Hinzu kamen Besichtigungen, bei denen man zum Termin mit 40 anderen Wartenden in Fünfer-Gruppen durch das Mietobjekt geschleust wurde. Im Anschluss erhielt man ein Formular auf dem man gefühlt von der Schuhgröße bis zur Farbe der Unterwäsche blank ziehen musste.

Leben im Van. Die Entscheidung kam spontan…

Nach einem Besichtigungstermin saß Kathy auf der Couch und sah furchtbar nachdenklich aus. Ich hatte mich irgendwie schon seit zwei Wochen mit dem Gedanken beschäftigt, ob es nicht an der Zeit wäre einen lange gehegten Traum in die Realität umzusetzen, hatte es aber nie angesprochen. Als ob Sie meine Gedanken in diesem Moment gehört hätte schaute sie mich an und sagte: „Was hältst Du davon, wenn wir einfach in einen Van ziehen?“

Um ehrlich zu sein hätte ich vermutlich vor ein paar Jahren ebenfalls jeden für verrückt erklärt, der mir erzählen wollte in einem Van leben zu können. Im Vergleich zu einer Wohnung gibt es auf den ersten Blick erhebliche Einschränkungen und auch in Bezug auf heiße Sommer und kalte Winter bietet ein Fahrzeug nur bedingt das, was eine Wohnung leisten kann. So kamen die ersten Überlegungen zu unserer Idee und wir stellten positive Aspekte den Negativen gegenüber. Allerdings überwogen die Positiven für unser Empfinden, womit nach etwas Überlegung und theoretischen Planungen klar war, dass wir die Suche nach einer Wohnung durch die Suche nach einem geeigneten Fahrzeugt für unseren tollkühnen Plan ersetzen.

Der Kostenfaktor war nahezu identisch. Bei einer Mietwohnung mit 1000€ Warmmiete bezahlt man jährlich 12000€. Eine einfache Rechnung. Für uns bestand der unsinnige Teil darin, dass wir weder eine geeignete Wohnung für das Geld fanden und auch durch die Miete selbst kein Eigentum erwarben. Das liegt selbstverständlich in der Natur der Sache. Während uns von verschiedenen Seiten zu einer Eigentumswohnung oder einem Tiny-House (die finden wir tatsächlich toll) geraten wurde, schauten wir uns nach etwas Fahrbarem um. Mit unserer ersten Idee landeten wir bei einem teilintegrierten Wohnmobil, welches mit Neupreis um die 60000€ lag. Dies bedeutet einen monatlichen Abtrag über ca. 6-7 Jahre in der Höhe der kalkulierten Miete, die wir für eine Wohnung hätten aufbringen müssen. Also ca. 1000€. Allerdings bestand der entscheidende Unterschied aus unserer Sicht darin, dass wir nach dieser Zeit auch wirklich etwas besaßen.

Die Suche nach dem neuen Zuhause auf vier Rädern

Ich glaube wir kennen inzwischen jedes Video auf Youtube, was auch nur in irgend einer Weise einen Van oder ein Wohnmobil vorstellt. Wir haben sie alle gesehen und wurden sehr überrascht wie es sich anfühlt, wenn man dann tatsächlich in einem Camper steht. Die Vorstellung aus den Videos entsprach gar nicht der Realität, die wir aber bis dahin auch nur aus Youtube kannten.. Es ist eben etwas anderes, wenn man den Innenraum eines Campers mit einer Fisheye-Linse größer wahrnimmt und in der Realität mit der Hüfte zwischen Küche und Bad stecken bleibt. Alles in allem entsprachen aber auch die fertig ausgebauten Vans nicht unseren Raumvorstellungen und dem Gefühl, was wir uns für das neue Zuhause erhofft hatten.

Mann in Campingtoilette in einem Van

Die teilintegrierten Wohnmobile hatten es uns schon eher angetan. Gerade die 2018er und 2019er Baujahre waren ein Traum in Sachen Wohngefühl. Wir hatten schon die Kreditanträge gestellt und waren fest entschlossen, dass wir uns die 59000€ leisten wollen. Plötzlich flüsterte eine kleine Stimme: „Halt, denkt doch mal nach. Ihr seid über 6 Jahre an die Rückzahlung gebunden. War nicht Unabhängigkeit euer Traum?“

Die kleine Stimme hatte recht. Der Grund warum wir uns für diese Art des Wohnens entschieden hatten, war der Zugewinn an Freiheit und Unabhängigkeit. Jetzt waren wir drauf und dran uns erneut für extrem lange Zeit von etwas abhängig zu machen. Es dauerte einen Moment unsere Vorstellung und den Traum vom Luxus in einem solchen Wohnmobil abzuschütteln. Doch dann fanden wir für unser Vorhaben die geeignete Lösung.

Der neue Plan für unser Leben im Van lautete: SELBSTAUSBAU

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