Seit fast nem halben Jahr

Vanlife und was es so mit einem macht. Oder anders, die Konsequenz muss erst ihren Platz in täglicher Veränderung finden.

Die Theorie sah ja ganz gut aus. Immer und überall produktiv und kreativ sein. Leider sieht die Realität etwas anders aus. Jeder Tag ist anders und man muss sich immer neu ausrichten.

Inzwischen sind wir mehrere Monate mit unserem Van unterwegs. Nicht im Ausland, nicht an schönen Stränden, sondern immer um unsere Arbeitsstellen kreisend. Wir haben gelernt uns in unserer Umgebung Freiräume und besonders wichtig, Raum zur Selbstentfaltung zu schaffen. Gar nicht so einfach wie man denkt. Hier in Deutschland ist alles dicht besiedelt und jedes Feld oder jede freie Fläche im Wald gehört irgend jemandem. Tatsächlich gibt es kaum einen Weg, den man mit dem Auto befahren darf, der nicht gut durch Spaziergänger oder andere Fahrzeuge frequentiert ist.

Es gibt kaum Zeit, die man wirklich alleine und abgeschieden verbringen kann. Immer trifft man auf verwunderte Blicke von Spaziergängern, Autofahrern die besonders langsam und mit starrend an uns vorbeifahren. Sucht man die Plätze auf, die für Menschen im Wohnmobil oder Camper gedacht sind, verhält es sich ähnlich. Auf Stellplätzen trifft man immer Menschen, die etwas zu erzählen haben. Meist Menschen, die nur ihr Wochenende dort verbringen und danach wieder in ihre Wohnung fahren um sich ihrem gewohnten Trott zu widmen.

Das Ding mit dem Verständnis für Vanlife

Hund beißt Mann Afri ins Ohr und Mann schreit dabei
Da kaut Dir jemand ein Ohr ab…

Während wir in unserem vorherigen Umfeld eher ungläubig als Spinner abgetan wurden, treffen wir inzwischen sehr viele Menschen, die uns um unsere Entscheidung beneiden. *Anmerkung: Sie würden es aber nie selbst tun…

Während also die Bewunderung für unsere konsequente Entscheidung gelegentlich und merklich gehäuft in die Auffassung umschwenkt, man könne nun auch gleichsam Seelenvertrauter sein (wir schieben es einfach mal auf unsere Eigenschaft gut zuhören zu können), bleibt die Zeit für unsere eigene Schaffenskraft bisher meist auf der Strecke. Man hilft an jener Stelle bei technischen Fragen, dort kocht man und fragt den einsamen Nachbarn, ob er vielleicht auch etwas abhaben mag und gönnt sich in gemütlicher Lagerfeueratmosphäre die Lebensgeschichte eines eigentlich völlig unbekannten Menschen.

Ob dies nur ein Erscheinungsbild eines Landes ist, welches dem Konzept von Vanlife ferner nicht sein kann, ist eine Frage die wir für uns noch beantworten müssen. Fest steht aber, wir brauchen eine Taktik, die es uns ermöglicht auch wirklich unsere Vorgaben für den Tag zu realisieren und produktiv zu werden.

Comes Zeit comes Rat…

Wir haben etwa 3 Monate gebraucht unser Leben rund um einen normalen Arbeitsalltag im Büro mit dem Vanlife, wie wir es uns vorstellen zu organisieren. Dabei ging es aber mehr um die Entfaltungsebene. Sprich es hat nicht an einem Topf oder einer Pfanne gemangelt, sondern an der Extrovertiertheit sich in einem geringen Maße in seinem neuen Lebensraum zu entfalten. Ich habe mich damit schwerer getan als Kit, obwohl ich schon länger mit einem Van unterwegs bin.

Grundlegend würde ich behaupten, dass Kit in dieser ganzen Geschichte wesentlich unkomplizierter ist und ich eher der Mensch, der Ansprüche erhebt. Ich bin äußerst kritisch bei unseren Übernachtungsplätzen, lege einen enormen Wert auf Abwechslung und bin auch in Bezug auf unsere Nachbarn eher zurückhaltend. Kit ist unkompliziert und nimmt die Dinge wie sie sind, lässt sich von Ideen begeistern und wenn jemand Bedarf verspürt seine Lebens- inklusive Krankheitsgeschichte erzählen zu wollen, kann sie nur schwer die kalte Schulter zeigen.

Allerdings muss man auch sagen, dass es uns oftmals viel vom eigenen Vorhaben abhält und sogar ganze Wochenende torbedieren kann, weshalb wir uns nun eine Geheimsprache überlegt haben, die uns gegenseitig auf der Metaebene über das Denken untereinander aufklärt, ohne einem Gegenüber direkt vor den Kopf zu stoßen. Diese Metaebene der diskreten Zeichensprache erspart und unkoordinierte Ausbrüche der Zurückweisung gegenüber Menschen die mitteilungsbedürftig sind, schafft uns aber hoffentlich den nötigen Freiraum auf uns selbst achten zu können.

In kürze arbeiten wir von unterwegs und ich halte eine solche Entwicklung und das richtige Umgehen mit solchen Situationen als essentiell um auch von unterwegs effektiv arbeiten zu können.

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