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Skarsvag in Norwegen kurz vor dem Nordkap
Reisen

Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap – Teil 10

Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 10
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Afri

Autor, Blogger, Streamer, Fotograf bei Afrify
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen.

"Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 10
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Und dann stehst Du vor dieser riesen Nordkap Kugel am Ende der Welt und denkst dir, „okay, cool…und nun?“

Vermutlich kennt jeder den Spruch „Der Weg ist das Ziel“ powered by Konfuzius. Oft ist es weniger befriedigend ein Ziel zu erreichen, als den Weg dorthin zu beschreiten und an sich selbst und den Aufgaben zu wachsen.

Es hatte die ganze Nacht geregnet und der Van wurde kontinuierlich vom Wind durchgeschüttelt. Als ich am nächsten Morgen aufwache und die Seitentür öffne, haben sich Sturm und Regen offensichtlich auf Richtung Süden gemacht. Vor uns liegt der kleine Hafen von Skasvag und die Wellen des Meeres schwappen leicht gegen den Kai.

Auf dem Parkplatz stehen wir inzwischen mit vier anderen Reisenden und ihren Fahrzeugen. Hier ist wirklich alles vertreten. Den großen umgebauten Bus hatten wir am Abend schon gesehen. Inzwischen hat sich ein weiterer Van in unserer größe dazugesellt. Etwas weiter links parkt ein PKW, in dem aber auch jemand zu schlafen scheint. Ganz am Rand der großen Parkfläche steht ein Wohnwagengespann geparkt. Mutig, wie wir finden, denn bei dem Wind vom gestrigen Abend war es bestimmt eine Herausforderung den Wohnwagen die kurvigen, engen Straßen bis hier hoch zu ziehen.

Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 10

Wir sind die Einzigen, die bereits auf den Beinen sind. Während ich kurz in eine Ecke verschwinde, sehe ich, dass der Eisregen den gesamten Parkplatz in eine spiegelnde Fläche verwandelt hat. Da wir nicht wissen wann oder ob überhaupt heute die Schranke richtung Nordkap geöffnet wird, machen wir uns lieber direkt auf den Weg.

Wir gehören zu den Ersten, die an diesem Tag die letzten dreizehn Kilometer antreten.

Schild zum Nordkap

Als wir ein kleines Stück außerhalb zu der Auffahrt zum Nordkap gelangen, stehen bereits vier wartende Fahrzeuge in der kleinen Parkbucht vor der verschlossenen Schranke. Wir parken uns rückwärts zwischen zwei der Wartenden und stellen die Standheizung an. Während Kathy schnell nach hinten springt und Kaffee macht, sitze ich auf dem Fahrersitz und schaue was die Menschen in den Fahrzeugen so treiben. Offensichtlich sind alle frühen Besucher irgendwie im Internet zugange. Die junge Frau links von mir schneidet gerade Videos auf ihrem Laptop und rechts wird gerade fleißig auf Instagram gepostet.

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Just in Time wird Kathy mit dem Kaffee fertig, als ein großes Schneefahrzeug auf der Landstraße von Honningsvag erscheint. Es ist riesig und rundum beleuchtet. Es fährt kurz zur Schranke vor, dann steigt der Fahrer aus. Irgendetwas stellt er außen an dem Fahrzeug um, verschwindet aber dann wieder im Führerhaus und setzt zurück. Ich befürchte schon, dass er gerade die Anweisung bekommen hat, dass der Weg zum Nordkap wegen dem gestrigen Unwetter geschlossen bleibt.

Es dauert noch einen kleinen Moment, aber dann…

Das Schneefahrzeug fährt tatsächlich ein ganzes Stück zurück und startet seinen „Salzstreuer“. Als es wieder an uns vorbei rollt, schalten die roten Lichter an der Schranke auf Grün um und es geht los. Als erstes schießt das Youtubepärchen links von uns aus seiner Parklücke. Wir lassen alle anderen vorfahren, dann setzen wir uns in Bewegung. Hinter uns sind noch zwei Nachzügler.

Als wir dann schließlich ankommen, können wir einfach an dem Kassenhäuschen zum Parkplatz des Nordkaps durchfahren. Offensichtlich ist es noch zu früh und niemand hat mit unserem Besuch gerechnet. Während zwei Autos an dem Gebäude vorbei fahren, um Bilder mit ihrem Gefährt vor der Nordkap Kugel zu machen, parken wir rechts vor der Eingangstür an einem Schneehaufen.

Das erste was wir sehen ist das Denkmal „Der Kinder der Welt“. Während alle aus ihren Autos springen und zur Nordkapkugel rennen, mache ich ein paar Bilder von diesem Kunstwerke, ohne dass irgendwelche Menschen davor stehen.

Nordkap Denkmal Kinder der Welt

Einen Moment genießen wir die Aussicht. Es ist verdammt kalt und der Wind bläßt uns die kalte Luft vom Meer direkt ins Gesicht. Trotzdem ist dies der Moment, wo wir für uns persönlich das Ziel unserer Reise erreicht haben.

Klippen an der Nordkap Kugel

Die Weltkugel am Nordkap

Wir gehen an dem Gebäude vorbei und sehen vor uns das wohl am meisten abgelichtete Objekt auf Nordkapreisen, den Globus auf dem Nordkapplateau. Als wir unsere eigenen Bilder davon versuchen einzufangen ist es ernüchternd. Wir hatten uns ein anderes Gefühl versprochen. Jetzt hier angekommen zu sein, ist eher mit einem Gefühl verbunden, was Kathy als metallisch beschreibt. Als ich sie frage, was genau sie damit meint, beschreibt sie es so:

Wir haben auf der Reise so viele schöne Dinge gesehen, so viel erlebt. Jetzt wo wir hier ankommen, steht am höchsten Punkt Europas eine Metallkonstruktion, die von einem Metallzaun eingerahmt wird. Irgendwie passt das nicht zu unserer Grundstimmung.

Und auch wenn ich das Gefühl persönlich als lediglich ernüchternd beschrieben hätte, trifft es Kathys Aussage recht passend. Das Gefühl auf diesem Plateau ist nicht einmal annähernd so spektakulär, wie der Moment, als wir in Schweden auf dem See standen, in den wir fast eingebrochen wären. Das Gefühl, wenn man endlich eine Dusche findet, obwohl man überhaupt nicht damit gerechnet hätte. Die Freude, die man empfindet, wenn man morgens an einem wunderschönen Platz in Alta aufwacht und einfach auf das Meer schaut. All‘ diese Momente und noch viel mehr, was man auf der Reise zu zweit erlebt hat sind wesentlich beeindruckender, als der Globus am Ende der Welt, um den sich inzwischen zahlreiche Menschen tummeln und die immer selben Bilder einzufangen versuchen.

Am Ziel der Reise an der Nordkapkugel

Obwohl wir es versucht haben, gibt es eigentlich nicht ein wirklich schönes Bild von uns vor der Kugel. Eigentlich war uns das auch recht egal. Zwischendrin, als wir gerade einen Moment die Aussicht genießen wollen, zieht erneut ein Sturm mit Eisregen und Schnee über uns hinweg.

Das Wetter treibt uns in die Nordkaphalle.

Nordkapgebäude
Hier ein Bild vom Gebäude ohne Schneesturm 😉

Während ich noch versuche das ein oder andere Bild einzufangen, fühlen sich meine Hände an, als würden sie gleich vor Kälte einfach abfallen. Natürlich habe ich wegen der Bilder und der Bedienung des Handys meine Handschuhe im Auto gelassen. Solange kein Wind geht, sind die niedrigen Temperaturen auch wirklich gut zu ertragen. Das ändert sich aber schnell, wenn es anfängt zu stürmen.

Als wir durch die Schleuse in das Gebäude gehen und uns über die Wärme freuen, kommt direkt eine Dame auf uns zu. Zuerst wissen wir nicht genau was sie von uns will, aber wie es sich schließlich herausstellt, möchte sie gerne die Leute zur Kasse bitten, die schon da waren, als das Kassenhäuschen bei der Einfahrt nicht besetzt war. Knapp 60€ später sind wir dann offiziell am Nordkap angekommen. Dafür dürfen wir zusätzlich die Grotte und die Ausstellung besuchen. Ob sich das gelohnt hat, kannst Du im Fazit nachlesen.

Nachdem wir uns die Sehenswürdigkeiten in der Nordkaphalle angeschaut haben, kaufen wir noch fix ein paar kleine Andenken im Souvenirshop und entscheiden uns wieder aufzubrechen. Als wir zurück zum Parkplatz kommen, erkennen wir schnell, dass es sehr gut war so früh zum Nordkap zu fahren. Obwohl es Winter ist und das Wetter alles andere als gut, hat sich der Parkplatz stark gefüllt. Wir sehen sogar einen Besucher, der die Reise mit Motorrad und Beiwagen angetreten ist.

Warum sind es immer die Deutschen?

Durch den Sturm sind die Straßen bei der Rückfahrt wieder komplett vereist und -schneit. Vor uns fährt ein Deutscher mit einem neuen Golf, der das Konzept auf Schnee zu fahren absolut nicht verstanden hat. Wir fragen uns, wie er so unbeschadet hierher geschafft hat. Als es bergab geht, versucht er permanent zu bremsen, um die Geschwindigkeit zu drosseln. Das absolut Falsche, was man auf diesem Untergrund tun kann. An einem Abgrund treibt es ihn immer dichter an den Straßenrand und die Mauer, die die einzige Hürde zu einer tiefen Schlucht ist. Mit einer handbreit Abstand zur Begrenzung schafft er es gerade so aus der Kurve raus. Wir haben das Fahrzeug noch eine Weile vor uns, während der Fahrer mit seinem Verhalten ein wesentlich größeres Risiko darstellt, als die Wetterverhältnisse.

Vollbremsungen auf glattem Untergrund ist das falsche Verhalten. Das kann wirklich böse enden. Die Norweger fahren auf diesen Straßen nicht 120km/h, weil sie magische Reifen an ihren Autos haben, sondern weil sie bei Schnee und Glätte einfache physikalische Regeln beherzigen.

Nur mal als Einschub für die Menschen, die auf solchen Straßen ein Risiko für andere Autofahrer darstellen.

Als wir den anspruchsvollen Teil der Strecke hinter uns lassen und diesen Vollpfosten vor uns losgeworden sind (er hat es tatsächlich bis nach unten geschafft), überlegen wir was wir heute am Meisten benötigen: Eine schöne warme Dusche.

Wir rufen auf verschiedenen Campingplätzen um Alta an und fragen, ob wir die Möglichkeit haben eine schnelle Dusche gegen eine Gebühr zu erhalten. Während wir das Angebot des ersten Campingplatzes mit 20€ für zwei Personen als etwas überteuert erachten, bietet uns Alta River Camping eine Dusche für 5€ pro Person an. Wir finden ein fairer Preis für eine Dusche und entscheiden uns genau dort hin zu fahren.

Der beste Teil des Tages kommt zum Schluss.

Dinge die zu Hause ganz normal sind, sind auf einer Reise im Van die absoluten Highlights. Es sind auch die kleinen Momente mit bestimmten Gefühlslagen, die uns mehr in Erinnerung geblieben sind, als der Globus am Nordkap oder die Grotte in der Nordkaphalle.

Als wir auf den Campingplatz kommen, ist es schon dunkel. Wir fahren vor das Haus, was als Rezeption und Wohnhaus der Besitzer dient. Kathy geht rein und meldet uns an. Als sie nach ein paar Minuten zurück kommt, strahlt sie über das ganze Gesicht.

Wir sammeln schnell frische Sachen im Van zusammen, stopfen alles in einen Rucksack und gehen dann eine kleine Treppe an der Seite des Hauses in den Keller. Eine wunderbare Wärme kommt uns entgegen, als wir die Tür zu den Duschen öffnen. Wir sind ganz alleine und können unser Glück kaum fassen. Alles ist sehr sauber und nach einer Woche im Van haben wir das Gefühl im schönsten Wellnessbad der Welt gelandet zu sein.

Dusche Alta River Camping

Dieses Gefühl im Detail zu beschreiben ist wirklich schwer, aber wenn man es selbst mal erlebt hat, weiß man vermutlich wie sich so etwas anfühlt.

Ich breite meine Sachen überall aus und hole den Rasierer aus meiner Tasche. Ich lasse mir Zeit und freue mich selbst während des Rasierens darüber, dass wir hier landen durften. Eine ausgiebige und heiße Dusche dazu die frischen Klamotten steigern das Glücksgefühl ins Unermessliche. Als ich fertig bin und das Bad verlasse, kommt Kathy mit dem selben Strahlen aus ihrer Duschkabine. Es war das absolute Highlight des Tages.

Wir packen unsere Sachen zusammen, machen uns im Van noch schnell etwas zu essen und dann fahren wir los. Wohin genau wissen wir noch nicht, aber das spielt heute auch gar keine Rolle. Wir haben das eigentliche Ziel unserer Reise geschafft. Was aber viel wichtiger ist, wir fühlen uns so entspannt und sauber wie schon seit einer Woche nicht mehr. Als wir von dem Campingplatz fahren und unser Navi neu programmieren sprechen wir nur über die Dusche und wir glücklich wir über alle besonderen Zufälle auf unserer Reise sind. Ohne etwas geplant zu haben, waren wir immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Hast Du auf Deiner Reise schon mal ein Vergleichbares Gefühl erlebt? Sei es ein Essen aus der Dose, nach einer langen Wanderung oder eine einfache Dusche auf einer langen Reise. Kennst Du dieses Gefühl, dass etwas ganz Banales plötzlich zu etwas ganz Besonderem werden kann? Lass es uns wissen und schreib es in die Kommentare.

Du hast den Beginn unserer Reise verpasst? Dann schau mal hier. Wenn Du wissen möchtest, wie es weiter geht, dann wirst Du hier (sobald veröffentlicht) fündig. Und wenn Du den vorherigen Teil verpasst hast, dann lies hier, was bisher geschah.

Interessiert Dich, was sonst bei uns passiert? Schau einfach mal auf Instagram und Facebook vorbei.

Afri
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen. "Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
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