Einfahrt zum Laden im finnischen Nationalpark
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Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap – Teil 6

Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 6
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Afri

Autor, Blogger, Streamer, Fotograf bei Afrify
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen.

"Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 6
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Die Wilde Natur Finnlands! Gott ist das süß, gibt’s das auch in der Dose?

Als wir Kolari verlassen ist unser Ziel der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark. Da der gesamte Nationalpark aber rund 1.020 km² groß ist, entscheiden wir uns dafür Särkijärvi anzusteuern.

Wir fahren heute tatsächlich bei Tageslicht über die verschneiten Landstraßen Finnlands. Ich sitze am Steuer, Kathy auf dem Beifahrersitz. Meine Anweisung ist klar und deutlich, wenn wir Rentiere sehen lässt Kathy alles fallen, nimmt ihr Handy in die Hand und drückt ab was das Zeug hält.

Wir fahren nach dieser Aussage noch ungefähr 20 Minuten, als es neben mir aufschreit. Irgendwas fliegt durch den Van und Kathy sitzt mit gezücktem Handy auf ihrem Sitz. Ich hatte es in der Ferne nicht mal richtig gesehen. Unser erstes Rentier. Weiß, klein etwas unscheinbar…aber eben ein echtes Rentier.

Rentier auf verschneiter Straße in Finnland

Als ich es dann endlich erkennen kann, schalte ich schnell den Warnblinker ein und gebe dem Gegenverkehr ein Lichtzeichen. Ganz unbeeindruckt steht es dort, mitten auf der Straße. Während es zu uns schaut entfährt Kathy und mir gleichzeitig ein „oh ist das süß“.

Wenige Meter vor dem kleinen Ding kommt unser Van zum Stehen. Ich höre rechts neben mir das Handy klicken, wieder und wieder. Ebenso entspannt wie es auf der Straße stand trappt es nach ein paar Minuten weiter durch den Schnee. Wir sind begeistert und schauen hinterher, wie es im Wald verschwindet.

Wir sichten kurz die Bildergebnisse unserer Begegnung. Eigentlich nicht mal gute Aufnahmen, dennoch hatte ich mir bereits zu Hause sagen lassen, dass ein Bekannter bei seiner Reise durch Norwegen nicht ein einziges Rentier zu Gesicht bekam. Also freuen wir uns umso mehr und sind guter Dinge zumindest eines gesehen und nicht aus Versehen über den Haufen gefahren zu haben.

Ein Gefühl wie Wohnzimmer. Wenn ein eher spezieller Laden im Nationalpark ein wohliges Gefühl von Wohnlichkeit vermittelt.

Wir biegen in die Straße Richtung Nationalpark ein. Tatsächlich sind wir etwas später dran als Gedacht. Es dämmert schon. Wir fahren ein paar Kilometer auf der Nebenstraße und kommen an einem Parkplatz vorbei. In einer etwas größeren Hütte brennt Licht und ein paar Autos parken davor. Während wir daran vorbei fahren überlegen wir uns, ob wir nicht ganz kurz schauen sollen, was es in der Hütte so gibt. Also wenden wir den Van auf einer kleinen Kreuzung und fahren zurück zu der einsamen Hütte.

Kleiner Laden im finnischen Nationalpark

Eigentlich kennt man diese Art Läden aus amerikanischen, kanadischen oder australischen Filmen. Menschen fahren für Stunden durch das Outback und kommen an die einzige Tankstelle für die nächsten 1000 Meilen. Ein bärtiger Mann mit verschwitztem Feinrippunterhemd und Hillbilly-Frisur begrüßt eher unfreundlich alle Neuankömmlinge. Und ihr werdet euch wundern. Die Dame hinter der Theke trägt zwar kein Feinrippunterhemd, aber der Rest ist relativ identisch, selbst das mit dem Bart.

Da wir aber nun schon mal da sind, blieben wir auch. Wir bestellten uns einen Kaffee. Die Dame kassiert ab und versucht uns mit ein paar Gesten klar zu machen, dass wir uns so viel Kaffee nehmen können, wie wir möchten. Schon ist mir der Laden mit der etwas speziellen Besitzerin sympathisch.

Ein Laden im finnischen Nationalpark mit Laptop

Die Inneneinrichtung des Ladens ist gemütlich, aber schon irgendwie gewöhnungsbedürftig. Überall hängen und stehen Dinge, die zu verkaufen sind. Auf der Seite hinter der Theke steht ein Kühlschrank mit Glasfront, in dem einige Fleischstücke liegen.

Kathys Highlight des Tages.

Kathy geht nach ein paar Schlücken erstmal das „Bad“ testen und als sie mit einem fetten Grinsen im Gesicht wieder auftaucht weiß ich, dass sie gefunden hat, wonach sie schon seit zwei Tagen sucht. Sie hat schon den ganzen Tag auf eine Dusche gehofft und auf dem kleinen Bad in diesem Laden hängt ein Duschschlauch. Kathy geht zur Besitzerin, die verwundert schaut als Kathy sie nach der Dusche fragt. Allerdings schaut sie nicht wegen der Frage irritiert, sondern weil sie kaum Englisch spricht und keinen Schimmer hat, was das Mädel von ihr will. Kathy setzt ihren freundlichsten Blick auf, nimmt die Besitzerin mit auf die Toilette und zeigt ihr die Brause. Kein Problem in Finnland, selbstverständlich kann Kathy auf der einzigen Toilette in dem kleinen Laden, der dennoch recht gut frequentiert ist, eine Dusche nehmen.

Während eine Mutter mit ihren zwei Kindern aufs Klo geht, flitzt Kathy an den Van und kommt kurz darauf mit einem Handtuch, neuen Klamotten und ihren Duschutensilien zurück. Als sie dann endlich ins Bad kann dauert es etwa fünfzehn Minuten bis sich ein neugeborener Mensch zu mir an den Tisch setzt. Ich gehe aufs Klo und komme lachend zurück. Die Dusche, die Kathy gefunden hat war wirklich nur ein Duschschlauch auf einer kleinen Toilette mit Pissoir. Trotzdem war es für Kathy eines der Highlights des Tages.

Eben noch auf der Straße, jetzt schon in der Dose.

Wir nehmen uns einen weiteren Kaffee und schauen was der Laden für Lebensmittel anzubieten hat. Was wir kurz vorher noch auf der Straße fotografiert hatten, gab es nun in verschiedenen Variationen. Rentiergulasch, Rentierbrotaufstrich, Rentiersalami, Rentier in Käsepaste und die ganzen Fleischstücke in dem Kühlschrank, Rentier.

Auch wenn mich nun alle Tierliebhaber, alle „oh ist das süß“-Sager, Veganer und Vegetarier dafür hassen werden, wir haben uns das komplette Sortiment gegönnt.

Wir kaufen alles mit Rentier, was man im Van ohne Kochaufwand essen kann. Und ich kann euch sagen, die Rentiersalami war wirklich der Hammer, fast so wie die Preise für die einzelnen Sachen.

Nachdem wir nun auch die Besitzerin mit unserem Umsatz für das Duschen entschädigt und etwas zum Lächeln gebracht haben, ist es Zeit aufzubrechen. Als wir vor die Tür treten ist es, wie konnte es auch anders sein, dunkel. Aus unserem Spaziergang im finnischen Nationalpark wurde ein gemütlicher Nachmittag mit Kaffee und dem Schreiben eines weiteren Artikels für den Blog.

Wir schauen auf dem Navi, wie wir nun am besten weiterkommen. In Finnland bis zum nächsten Tag zu warten wäre Unsinn, denn wir würden recht viel Zeit verlieren und könnten ohnehin nicht viel machen. Deshalb entscheiden wir uns weiter nach Norwegen zu fahren und in Alta, der größten Stadt vor dem Nordkap, zwei Tage zu verbringen. Danach wollen wir die letzte Etappe zum nördlichsten Punkt antreten.

Im nächsten Teil erfährst Du, was wir in Alta erlebt haben und wie wir jede Menge Fotos von Wolken gemacht haben, die wir für Nordlichter hielten. Hast Du den letzten Teil noch nicht gelesen, dann hier entlang.

Hast Du schon mal Rentier probiert oder fotografiert? Lass es uns wissen und schreibe es in die Kommentare.

Afri
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen. "Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
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