Finnisches Häuschen im Schnee vor Wald
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Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap – Teil 5

Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 5
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Afri

Autor, Blogger, Streamer, Fotograf bei Afrify
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen.

"Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
Mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap - Teil 5
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Alter Finne, jetzt wird’s aber kalt. Bei -19°C irgendwo in Finnland vor einem verlassenen Supermarkt.

Während ich diesen Beitrag im Van schreibe und Kathy fährt, stellen wir fest, dass wir uns wirklich anstrengen müssen die ganzen Eindrücke geordnet wiederzugeben. Manche Ereignisse muss man nochmal zusammen durchgehen um nichts zu vergessen, oder sich überhaupt zu erinnern. Eigentlich ist das total verrückt, da 70-80% dieses Trips aus Fahren und dem allmorgendlichen Prozedere im Van besteht.

Wir haben recht schnell unser festes Ritual nach dem Aufstehen entwickelt. Was bei normalen Temperaturen einfach zu bewerkstelligen ist, braucht bei Kälte und Schnee wesentlich mehr Koordination.

Bestimmte Dinge sind uns wichtig um gelassen in den Tag zu starten. Zuerst wird das Bett im Van zurückgebaut, dann werden die Badematten von den Scheiben des Fahrerhauses eingesammelt und der Van gestartet. Die warme Luft aus dem Gebläse enteist die Scheiben während der Wasserkocher ausreichend Strom bekommt um den Kaffee aufzubrühen. Wir beginnen die Sachen vom Vorabend und der Nacht zu verstauen, während meist einer vor dem Van steht, weil es für zwei schlichtweg zu eng ist. Da Kathy recht klein ist, übernimmt sie meist das Gewusel in unserem kleinen Wohn-/Schlaf-/Esszimmer. Zudem haben wir uns angewöhnt nach Möglichkeit in der Nähe einer Toilette zu parken. Es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn man nach dem Aufstehen die Möglichkeit hat, kurz ins „Bad“ zu gehen und sich frisch zu machen. Zum Glück sind viele der öffentlichen Toiletten auf unserer Strecke beheizt und meist recht sauber.

Nach etwa einer Stunde, wenn wir beide unseren Kaffee getrunken haben, kommt immer die Frage:“Wie ist der Plan für heute?“

Da wir absolut planlos und vielleicht auch etwas blauäugig losgefahren sind, wissen wir nie in welcher Stadt oder sogar in welchem der nordischen Länder wir am nächsten Morgen aufwachen werden. Unser heutiges Ziel lautet Finnland. Nachdem wir von unserem letzten Übernachtungsplatz in Killingsnäs bereits 500km quer durch Schweden gefahren sind geht es ein ganzes Stück auf der schwedischen Seite des Saaripudas entlang. Wir sehen leider nicht viel von der Umgebung, denn je näher wir an den Polarkreis kommen, umso kürzer werden die Tage. Inzwischen ist es schon um halb drei dunkel und unser Zeitgefühl gaukelt uns vor müde zu sein. Genau genommen fühlen wir uns, als sei es bereits 21:00 Uhr.

Auch das Wetter hat sich während der letzten 200km immer mehr verändert. Wir haben die ganze Zeit auf die Temperaturanzeige geschaut und konnten mit den Kilometern die wir zurücklegen den Außentemperaturen beim Fallen zusehen. So sind wir von anfänglichen -3°C auf inzwischen -12°C gekommen. Wenn man die Scheiben berührt, merkt man welche Kälte hier in das Innere des Fahrzeugs übertragen wird.

Grenze nach Finnland

Während der Schnee immer höher und die Außentemperatur immer niedriger wird, teilt uns die freundliche Stimme aus dem Navi mit, dass wir rechts abbiegen sollen. Wir fahren auf eine kleine Brücke zu, an deren Ende ein verschneites Schild steht. Tatsächlich können wir erst wenige Meter davor erkennen, dass es sich um das Grenzschild nach Finnland handelt.

Ich bin etwas enttäuscht und muss an den bombastischen Empfang bei der Einreise von Deutschland nach Dänemark zurückdenken. Eine spektakuläre Lichtshow mit allerhand personellem Aufgebot. Auch beim Grenzübertritt von Dänemark nach Schweden hatten sie sich die Mühe gemacht Menschen in die Kälte zu stellen. Offensichtlich ist es hier aber im Moment selbst den Finnen zu kalt, auf ein paar verrückte Deutsche zu warten, die sich ihren Weg zum Nordkap bahnen. Ohne Lichtshow und Begrüßungskomitee fahren wir weiter, winken freundlich in die Kamera an dem Grenzschild und befinden uns offiziell in Finnland.

Die Temperaturen fallen weiter und wir suchen einen geeigneten Schlafplatz im finnischen Schnee.

Mit dem Van durch Finnland

Während man links und rechts die Bäume mit Unmengen von Schnee bedeckt sieht, sucht Kathy über Park4Night einen geeigneten Schlafplatz auf unserer Route. Hier zeigt sich ein entscheidender Nachteil beim Boondocking im Winter. Viele der Plätze in den nördlichen Ländern sind auf Feldwegen oder Seitenstraßen befahrbar. Leider sind diese meist nicht geräumt und die Gefahr mit dem Van irgendwo im Schnee stecken zu bleiben ist zu groß. Zudem findet man in Finnland nur wenige Plätze, die in der App verzeichnet sind. Kein Wunder, kann man sich im Sommer eigentlich an jeden öffentlichen Platz zum Boondocken stellen.

Als Alternative für einen abgelegenen Platz im Wald entscheiden wir uns für eine Kleinstadt auf unserem Weg. Wir benötigen ohnehin einen Supermarkt der geöffnet hat, um ein paar Lebensmittel und Wasser einzukaufen.

Wir fahren durch die verschneiten Straßen in Kolari und suchen einen geeigneten Platz zum Übernachten. Ich persönlich mag es immer etwas versteckter, während Kathy auch gerne in Städten auf ganz normalen Parkplätzen stehen kann. Wir fahren vom einen Ende zum anderen und entscheiden uns schließlich für einen großen Parkplatz vor einem ehemaligen Supermarkt. Als wir auf den Platz fahren drehen die Reifen des Vans durch und der Schnee knirscht so laut unter den Reifen, dass wir es trotz geschlossener Fenster deutlich hören.

Wir nehmen eine etwas dunklere Ecke und rangieren so, dass die Schiebetür zu einem kleinen Schneehügel zeigt. Etwas Privatsphäre muss schließlich sein. Eigentlich völlig unnötig, da direkt vor unserem Schlafplatz die Hauptstraße des Dorfes verläuft. Aber Abends scheint es extrem ruhig zu zugehen. Am nächsten Morgen wundern wir uns.

Schnell den Van umbauen. Alle Sachen, die wir nicht brauchen nach vorne und die Fenster abgedeckt, fertig ist unser zu Hause für die Nacht.

Beim Kochen im Van in Kolari

Da wir die letzten Tage mehr von kaltem und schnellem Essen gelebt haben, finden wir, dass es heute an der Zeit ist im Van etwas aufwändiger zu kochen. Wir schalten die Standheizung ein und drehen den Regler auf Anschlag. Die -19°C fühlen sich zwar nicht ganz so kalt an wie gedacht, trotzdem kühlt der Van ohne Heizung sehr schnell aus und das wird äußerst unangenehm.

Wir holen alles, was wir zum Kochen brauchen, aus den Staufächern unter der Sitzfläche. Kathy möchte einen Eintopf kochen. Der Gaskocher kommt auf den Tisch und schon geht’s los. Ich weiß nicht was Kathy alles in den Topf geworfen hat, aber sie sagte es sei ein italienischer Eintopf. Das bedeutet bei Kathy nichts anderes als, dass alles was da ist verarbeitet wurde. Während der Topf vor sich hinköchelt, baue ich das Handy auf ein Dreibeinstativ und schalte bei Youtube die Iceroad-Trucker ein. Aus irgend einem Grund hatte ich den ganzen Tag während der Fahrt das Bedürfnis diese Doku zu schauen.

Nachdem wir den leckeren Eintopf gegessen haben, schauen wir noch einen Film und machen uns dann bereit für’s Bett. Wir räumen alles auf, bauen die Sitzfläche um und ab geht’s ins Land der Träume, während die Standheizung leise surrend den Van auf einer erträglichen Innentemperatur hält.

Schnee wohin das Auge reicht. Finnland ist das absolute Winterparadies.

Morgens in Kolari mit dem Van

Als ich am nächsten Morgen aus dem Van steige, stehe ich kniehoch im Schnee und freue mich wie ein kleines Kind. Es sieht einfach großartig aus, wenn alles verschneit ist und man es bei Tageslicht sieht. In diesem Moment realisieren wir zwei Dinge. Das erste ist, dass sich unser Schlafplatz direkt gegenüber einer Apotheke befindet, die offensichtlich an diesem Tag alle Einwohner der Stadt anlockt.

Das andere ist, dass wir eigentlich viel zu lange geschlafen haben. In Finnland ist es eine Stunde später, als in den anderen Ländern, die wir durchquert haben. Anstatt halb zehn ist es schon halb elf und das bedeutet, dass es nicht mehr lange hell sein wird. Wir machen rasch Kaffee, während uns die Apothekenbesucher freundlich ignorieren und ziehen unsere Morgenroutine durch. Wir wollen den kurzen Tag nutzen und uns etwas vom Pallas-Yllästunturi-Nationalpark anschauen.

Mehr über unseren ersten Kontakt mit der wilden Natur Finnlands und wie Kathy zu ihrer ersten Dusche auf unserer Reise kommt, erfährst Du im nächsten Teil unserer Reise mit dem Van über Weihnachten ans Nordkap.

Hast Du schon mal bei extremer Kälter im Auto übernachtet? Kannst Du Dir vorstellen absolut planlos zum Nordkap zu starten. Lass uns an Deinen Erfahrungen teilhaben und schreibe es in die Kommentare.

Afri
100 % sarchotic is er, der liebe Afri. Manchmal auch etwas verwirrt, konzeptlos und will immer zu viele Schritte auf einmal nehmen. Außerdem hat er eigentliche viel zu viel um die Ohren. Trotzdem bemüht er sich regelmäßig ein paar sympathische Artikel im Bereich Fotografie, Reisen und seiner geliebten Kolumne zu veröffentlichen. "Ich freue mich sehr, wenn Dir meine Artikel gefallen. Natürlich ist die Freude umso größer, wenn Du es schaffst auch noch einen Kommentar zu verfassen. Ich freue mich auf Dein Feedback und konstruktive Kritik."
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